Router-Einführung
Anfänglich wurden Weitverkehrsnetze durch Vermittlungsrechner strukturiert, die Router-Funktionalität besaßen. Mit dem Erscheinen der Brücken auf dem Markt, gerieten die Router aber langsam in Vergessenheit, da diese nur ein einziges LAN-Protokoll routen konnten und einen geringeren Datendurchsatz hatten. In den letzten Jahren erlebten die Router jedoch einen erneuten Boom.
Der Grund dafür liegt in verschiedenen Faktoren:
· Der Datendurchsatz ist aufgrund enorm verbesserter Architektur(en) erheblich gestiegen und mit heutigen Brücken vergleichbar.
· Durch das Netzwachstum entstand eine neue Kategorie heterogener 'vernetzter Netze', die für einfaches Bridging zu komplex sind.
· Mit den Mulitprotokoll-Brücken als Vorbild wurden Multiprotokoll-Router entwickelt, die mehrere Protokolle über ein einziges Gerät behandeln können.
· Heutige Router beherrschen auch Brückenfunktionalität und können als solche eingesetzt werden.
Router arbeiten auf der Netzwerkebene des OSI-Modells (Layer 3). Laut Definition verbinden Router zwei oder mehr Subnetze auf der Netzwerkebene und realisieren die Funktionen bis zur Netzwerkschicht (Physical, MAC, LLC, Network). Die eigentliche Aufgabe des Layer 3 ist die Wegwahl im Netzwerk, vom Sender zum Empfänger; im Speziellen sind das der Aufbau, die Aufrechterhaltung und der geordnete Abbau der Verbindung. Router haben mindestens eines der Protokolle dieser Ebene implementiert, Multiprotokoll-Router z.B. können auch mehrere haben.
Bekannte Protokolle sind:
· IP (Internet Protocol), die Ebene 3 der TCP/IP-Familie
·
IPX (Internetwork
Packet eXchange), NetWare
·
NS (Network
Services), DECnet IV
·
IDP (Internet
Datagram Protocol) XNS (Xerox Network Systems)
·
DDP (Datagram
Delivery Protocol) AppleTalk
·
OSI CNLS (Connectionless
Network Layer Service, ISO 8473) VINES (IP-Derivat)
· X.25 als ITU-TS-Standard für Weitverkehrsverbindungen
Routen heißt nicht z.B. IP mit IDP verbinden! Routen heißt, auf der Basis der Protokollinformation einen Verbindungsweg herzustellen; und dies alles auf derselben Ebene 3. So wird je nach Protokoll ein anderer Protokoll-Stack abgearbeitet. Router leisten im Prinzip dasselbe wie Brücken und darüber hinaus aber noch mehr:
1. Router können die Grenzen eines Netzwerkes (Stationszahl, Längenausdehnung) erweitern. Unterteilt man ein Netzwerk durch einen Router in zwei Subnetze, so kann jedes Subnetz wieder die volle Längenausdehnung und Stationszahl entsprechend des definierten Standards enthalten, sofern nicht das Routingprotokoll engere Grenzen setzt.
2. Router leisten eine Fehlerbegrenzung nicht nur auf Ebene 2 und 3, sondern auch auf der Netzwerkebene. Fehlerpakete beschränken sich dadurch auf das Subnetz ihres Entstehens und werden nicht über das ganze Netz verbreitet. Teilweise generieren Router Fehlermeldungen mit dem Grund des Nichttransports, Brücken vernichten die Fehlerpakete nur.
3. Router begrenzen den lokalen Verkehr. Schickt eine Station ein Paket an eine Station des gleichen Subnetzes, transportiert der Router dieses Paket nicht.
4. Router realisieren durch die Implementierung verschiedener Protokolle auch komplexe Wegwahlverfahren, die zur Optimierung nach verschiedenen Kriterien eingesetzt werden können. Dies ist wohl das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu Brücken.
5. Durch die Nutzung von Netzwerkadressen kann durch die Router eine neue Art der Netzwerkstruktur realisiert werden. Im Gegensatz zur topologisch 'flachen' Welt der MAC-Adressen, lassen sich die Subnetze hierarchisch gliedern.
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